Reiseberichte

Seit Molwanien zunehmend auch von verwirrten westlichen Touristen entdeckt wird, erreichen uns zahllose Zuschriften, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen:

Andreas Toscano del Banner empfiehlt:
Zuerst eine kleine Anmerkung zu innermolwanischen Flügen: immer wieder werden Fluggäste vom Personal in älteren, also allen Maschinen der AeroMolw daraufhingewiesen, dass sie im Notfall die Maschine außer durch die Frachtladeluke auch durch zwei Notausgänge verlassen können, die zentral über das aus Sicherheitsgründen stets verschlossene Cockpit (auf molwanisch mit IXAT für "Ausgang" über der Türe gekennzeichnet) erreichbar – sein sollen.
Nun aber zu einem sehr empfehlenswerten Spektakel, einer Light-and-Sound-Vorstellung mit Stegreif-Folklore der besonderen Art, das ich im "Vajana Ritzzz“ erlebt habe. Ich lege es jedem Molwanien-Fan wärmstens ans Herz:


Das passiert, wenn das Wasser zu lange läuft .

Man drehe die Dusche ganz auf, lasse das Wasser lange laufen und staune, wie sich die Farben des Wassers langsam verändern – je nach dem, welche Teile des Leitungssystems gerade durchgespült werden, wie lange das Wasser dort stand und welche Bakterienkulturen sich bilden konnten.

Nicht nur aus gesundheitlichen Gründen sollte dieses Schauspiel angezogen und von außerhalb der Duschkabine beobachtet werden, denn sonst kann man nicht an der nun folgenden Folkloredarbietung des Hotelpersonals teilnehmen:

  Wie bei einer spanischen Stierhatz und angefeuert von sämtlichen, in den Zimmertüren Spalier stehenden und wüst schimpfenden Hotelgästen (ohne Wasser) rast das gesamte Hotelpersonal durch die spärlich erleuchteten Flure (daher leider kein Photo vorhanden), angeführt vom Hotelmanager und vom Küchenchef – beide zusätzlich mit extra für diese Shows blank geputzten Messern und Äxten (gespenstisch!) und einer entsicherten KhalashnijMolw kostümiert.

Das Photo mit dem Blick auf die Rezeption kann nur einen vagen Eindruck der schaurig-
romantischen Korridore und des Spektakels vermitteln.

WICHTIG: Man sollte seinen Aufenthalt in Vajana so planen, dass man diese Vorführung auf den Abreisetag legt und danach die Stadt möglichst mit unbekanntem Ziel verlässt, ehe sich die Gerüchte um die eigene Person als Urheber verdichten.
Wer alle Sicherheitshinweise befolgt, kann diesen Tag so schnell nicht vergessen.

Die ausgelassene Stimmung anderer ehemaliger Vajana-Gäste läßt sich nur schwer photographisch einfangen.

So mancher wird sich nun fragen, woher ich diesen Tipp erhalten habe. Es war der Taxifahrer, der mich zum Hotel brachte: er war einen Vormittag lang stellvertretender Leiter des städtischen Gesundheitsamts.


Wilm I. aus Kiel empfiehlt:
Als Familienvater ist mir aufgefallen, daß die Sparte Unterhaltungsmöglichkeiten für und mit Kindern - neben umfangreichen Vorschlägen für den Besuch einschlägiger Nachtlokale - im Reiseführer zu kurz gekommen ist. Besonders hervorheben möchten ich deshalb unseren Besuch des Eisenbahnmuseums Lutenblag. Meine Kinder waren begeistert über die bewundernswert detailgetreue Nachbildung der bedeutensten Eisenbahnunfälle des Landes. Die Spuktüten erhielten wir unaufgefordert und entgegen üblicher molwanischer Gebräuche sogar unentgeltlich. Hier werden außerdem alle zwischen 1839 und 1933 produzierten Lokomotiven- und Waggontypen präsentiert, allerdings nur als maßstäbliche Kleinmodelle, da sämtliche Originale noch immer in Betrieb sind.
Ein weiteres Highlight unserer Reise war ein einwöchiger Aufenthalt am Nordufer des Vijaza-Sees. Der hohe Teeranteil am Sandstrand zusammen mit dem unerschöpflichen Angebot an modernem Treibgut ließ unsere Kinder zu wahren Meistern der Sandburg-Architektur avancieren.

Unser Hotel, direkt am Seeufer. Hier die Rückansicht des Gebäudes mit beeindruckender Fernsicht auf großflächige Waldbrandgebiete.

Ist man schon einmal hier, sollte man auch den Besuch der ortsansässigen Werft nicht versäumen. Das wasserabweisende Holz der endemischen molwanischen Schleimzeder eignet sich hervorragend zum Bau eleganter und sehr haltbarer Holzschiffe.

Aussichtssalon eines Ausflugsschiffes wenige Minuten vor dem Stapellauf.

Auch die gesunde Ernährung spielt gerade für Kinder eine große Rolle. Molwanische Wissenschaftler haben jüngst herausgefunden, daß eine wöchentliche Portion molwanischen Bluthundes, die meist auf frischen Tabakblättern serviert wird, die leukämiebedingte Säuglingssterblichkeitsrate in den vergangenen Jahren auf unter 78% sinken ließ.

Abschließend möchte ich noch ein authentisches Souvenir empfehlen. Wir entschieden uns für ein Prachtexemplar der molwanischen Stubenpalme. Üppiges Grün zählt vielleicht nicht zu ihren Vorzügen, dafür vermag sie innerhalb weniger Stunden mehrere Kubikmeter nikotinhaltiger Luft zu absorbieren und ist dabei äußerst genügsam. Nach unseren Erfahrungswerten reicht alle drei Stunden die Gabe von 5 cl Knoblauchschnaps völlig aus...

Ein authentisches Reisesouvenir:
Die molwanische Stubenpalme.


Eberhard H. aus Euskirchen erhielt folgenden Brief seines Freundes:
Ihr Lieben,
dank Eures Weihnachtsgeschenkes haben wir einen Abstecher in die molwanischen Alpen gewagt. Wie immer, geben Reiseführer nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit des zu bereisenden Landes wieder. Da wir mit einer Tankfüllung von Scherenau nach Molwanien und wieder zurück fahren mussten (z. Zt. hat Russland aus falsch verstandener Solidarität nicht nur der Ukraine das Gas sondern auch Molwanien sämtliche Öl- und Spritlieferungen gekappt!), konnten wir nur eine Tagestour machen. Der Reiseführer ließ das Land ja nun doch in einem etwas merkwürdigen Licht erscheinen. Also - alles stimmt nicht, was da drin steht! Zuerst einmal ist tatsächlich der größte Teil der Bevölkerung mit völlig schadhaften Gebissen geschlagen. Das kommt zum einen vom holzartigen Brot, was in 3 cm breiten Stangen tiefgefroren im Winter verzehrt wird, zum anderen aber auch von der strikten Weigerung, wie die russischen Nachbarvölker hässliche Gold- oder Silberkronen über die schwarzen Stummel zu hämmern. Die wenigen besonders hübschen Molwanierinnen lächeln deshalb ausschließlich mit geschlossenem Mund, wie Peters Foto zeigt, das er in der Umkleidekabine des Langlauf-Zentrums in Zacwcej schießen konnte. Bemerkenswert (und im Reiseführer überhaupt nicht erwähnt): die molwanischen Frauen haben nur winzige Brüste, dafür aber besonders dicke Daumen (Molwanische Säuglinge liegen deshalb nicht an der Brust der Mutter, sondern lutschen an deren Daumen!)

Unser Versuch, im berühmten Skigebiet Zacwcej Langlaufskier zu leihen, war leider erfolglos. Es gibt seit 2002 nur noch Kurzski ohne Bindung. Wir haben die molwanische Olympiamannschaft im bindungslosen Kurzskilauf beim Training gesehen - und das hat uns gereicht. Dem Kurzskizentrum ist eine Kaltwasserlandschaft angeschlossen, wo - wie in Russland - dicke Frauen in BH und Unterhose Löcher ins Eis schlagen und zusammen mit den afteratmenden gefleckten molwanischen Seeschwalben zu schwimmen versuchen. Die im Reiseführer beschriebenen Restaurants haben wir - bis auf eines - nicht gefunden Vom 1. Dezember bis zum 27. März sind alle Restaurants im Skigebiet geschlossen. Das einzige, das auf war, hatte nur kalte Hundewurst. Aus diesem Grund gab es außer uns auch nur noch einen Gast. Nachdem Peter ihn fotografiert hatte, wollte er unseren Presseausweis sehen. Wie Peter so ist, wollte er schon mit ihm diskutieren, ich konnte mich mit meinen defensiven Harmonisierungstendenzen dann aber doch durchsetzen. Wie das Foto zeigt, stimmt tatsächlich die Angabe im Reiseführer, dass es in den molwanischen Alpen als ungehörig gilt, beim Essen Besteck zu benutzen. Interessant fand ich jedoch die - nahezu - feudale linnene Tischdecke mit Spitzensaum. (Lag übrigens auf allen Tischen!) Die zahnlose Wirtin erklärte mir, dass diese Decken das einzige Überbleibsel der ins Exil vertriebenen molwanischen Königsfamilie seien. Während der Distel-Revolution, in der sich die Molwanier von ihrem dekadenten und überflüssigen Herrscherhaus befreiten, mussten alle weiblichen Mitglieder der reichverzweigten Sippe während der Festungshaft ihre reinleinenen Betttücher, Kopfkissen und Laken mit Häkelspitze verzieren und zu tischdeckentauglichen Stücken verarbeiten. Als massenhafter Protest im Volk aufkam, wieso man die adlige Brut weiter im Land behalte, schmiss die junge Revolutionsgarde das Pack raus und zurück blieben 1.320.000 Tischdecken. Damit war der unwiderlegbare Beweis für die ungeheuerliche Verschwendungssucht des ehemaligen Königshauses gegeben. Von der Königinmutter wurde am letzten Tag der Festungshaft ein Foto gemacht, das jetzt in allen Restaurants hängt. So kann sie für immer ihre Tischdecken angucken.
Ihr seht - dieses Land hat schon auch seine interessanten Seiten! Danke für den Tipp!


Philippe M. aus E. schreibt:
»Es ist lächerlich, wenn Touristen über Taschendiebe klagen oder sich sorgen, dass sie überfallen werden könnten, falls sie sich in ein bestimmtes Stadtviertel begeben. Opfer eines geringfügigen Vergehens zu werden gehört für mich unabdingbar zum Gesamterlebnis des Reisens. Im Zimmer eines schäbigen Hotels in Lutenblag entdeckte ich einmal beim Erwachen, dass Diebe mir die Brieftasche, die Kamera und eine Niere gestohlen hatten. - Es war eine Reise, die ich nie wieder vergessen werde.«


Gäste des Hotjl Oljanka werden vom hoteleigenen Lkw abgeholt.

Irene H. aus M. meint:
»Zugegeben: Ein wenig skeptisch war ich schon, als ich meine Rundreise durch Molwanien buchte. Die bemerkenswerten Erlebnisse während dieser Reise haben jedoch meine Erwartungen bei weitem übertroffen. Es gibt wohl kaum ein Land, in dem allein reisenden Frauen so viel Aufmerksamkeit zuteil wird, insbesondere seitens der älteren, männlichen Bevölkerung. Diese Generation ist noch ganz der alten, galanten Tradition des Brautraubes verhaftet. - Beeindruckend auch die allerorts sichtbaren Zeugnisse der Wertschätzung der Frau in der molwanischen Gesellschaft, wie z.B. das zentrale Frauengefängnis in Sjerezo, dessen Gründung auf das Jahr 1620 zurückgeht und das heute durch seine angegliederte Erziehungsanstalt für junge Mädchen weit über die Grenzen Molwaniens hinweg bekannt ist. Geradezu progressiv mutet eine Sehenswürdigkeit an, die man auf Lutenblags Großem Platz besichtigen kann: Das weltweit einzige Frauenpissoir der Welt, eröffnet 1896, anlässlich der internationalen Handelsmesse, ist nach wie vor in Betrieb. ...«


Der Bürgermeister von Gyrorik, K. V. Stronzlhern, mit seinem jüngsten Sohn »Leon jr.«, Kabarettsänger und Düngemittelvertreter.

Holger W. aus D. schreibt:
»Vor ein paar Jahren besuchte ich Svetranj mit einer Gruppe von Freunden, die mich plötzlich verlassen mussten. Da ich der üblichen Touristenfallen und schäbigen Souvenirläden überdrüssig war, winkte ich ein Taxi herbei und bat den Fahrer [in meinem besten Molwanisch!], mich an einen Ort zu bringen, wo ich wirklich Herz und Seele des Landes fühlen konnte - an einen Ort, wohin ich gehörte. Nach zweieinhalbstündiger Fahrt ließ er mich in einer weitläufigen Wildnis zurück, die sich später als die Große Ebene herausstellte. Als ich ein paar Tage später vor Hunger und Überhitzung zusammenbrach, wurde mir klar, dass dies eine der authentischsten Reiseerfahrungen meines Lebens war. Unvergesslich!«


Die Rinder der Großen Ebene wurden genetisch modifiziert, so dass sie nur zwei Beine haben. Das verringert zwar den Fleischertrag, erleichtert aber das Hüten erheblich.


Falls auch Sie über Ihre seltsamen Urlaubserlebnissen in Molwanien berichten wollen, dann schreiben Sie uns! (Adresse siehe Reiseführer.)